RWTH-Institut wird historische Stätte

20.09.2019

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Die Europäische Physikalische Gesellschaft weist das Institut für Hochspannungstechnik als wissenschaftshistorisch bedeutsamen Ort aus.

 

Das Institut für Hochspannungstechnik der RWTH Aachen in der Schinkelstraße (ehemals Rogowski-Institut) wird von der Europäischen Physikalischen Gesellschaft (EPS) zur historischen Stätte ernannt. Dazu wird an der Fassade des Gebäudes eine Plakette angebracht, die auf die wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung des Ortes hinweist. Das Programm der EPS zeichnet Orte in Europa aus, an denen Meilensteine der physikalischen Forschung erreicht wurden. Diese Würdigung erhält das zwischen 1925 und 1929 erbaute Gebäude, weil der Wissenschaftler Rolf Wideröe 1927 dort im Rahmen seiner Doktorarbeit bei Professor Walter Rogowski den ersten Hochfrequenzbeschleuniger entwickelte. Wideröe, geboren 1902 in Oslo, gilt als Vater der modernen Teilchenbeschleuniger. Nahezu jeder heute gebaute Beschleuniger höherer Energie in Forschung oder medizinischer Anwendung gründet auf seinen Konzepten.

Im Gegensatz zur damals gängigen Praxis, statische Hochspannungseinrichtungen zur Beschleunigung von Teilchenstrahlen zu nutzen, erforschte der Norweger die Verwendung von Wechselspannungen. Diese erlauben es im Gegensatz zu statischen Einrichtungen, Teilchen mit der gleichen Spannung wiederholt zu beschleunigen und so deutlich höhere Energien zu erreichen. Wideröe gelang es erstmals, die Beschleunigung durch mehrere hintereinander angeordnete Wechselspannungen experimentell nachzuweisen. Neben diesem sogenannten Linearbeschleuniger entwickelte er auch das Prinzip des Betatrons, eines Zirkularbeschleunigers. Auf diesem Betatron basiert das Zyklotron, das noch heute zu den wichtigsten Beschleunigertypen gehört. Der bedeutendste Einsatzbereich dieser Technologie jenseits der Grundlagenforschung liegt in der Medizin. Dort wird sie zur Erzeugung von radioaktiven Tracern für die Positronen-Emissions-Tomographie, Schilddrüsen-Szintigramme und andere bildgebende Verfahren sowie für die Strahlentherapie von Krebstumoren eingesetzt.

Redaktion: Presse und Kommunikation